Radioaktive Mineralien – praktischer Strahlenschutz

Uranglimmer (Uranocirit) und Quarz auf Siderit, vom Piz Eggen / Piz Sezner im Val Lumnezia, Graubünden - Lehner Mineralien, Reckingen-Gluringen, VS

Radioaktiver Uranglimmer (Uranocirit) und Quarz auf Siderit, vom Piz Sezner im Val Lumnezia, GR

Wer die Schweiz kaum mit natürlich vorkommender Radioaktivität verbindet, dürfte erstaunt sein darüber, dass hierzulande beinahe 100 verschiedene radioaktive Mineralien vorkommen, wovon ca. 40% als stark radioaktiv gelten, darunter insbesondere die Verbindungen des Urans und des Thoriums. Versehen mit teilweise geheimnisvollen Namen wie Autunit, Eudialyt, Euxenit, Kainosit, Nephelin, Samarskit, Sanidin oder aber mit kryptischen Zungenbrechern wie Vandendriesscheit, Cuprosklodowskit, Calciogadolinit, Kryptomelan, und ausgerüstet mit den leuchtenden Farben der Gefahr, wecken sie unvermeidlich die Neugier.

Während für grössere Mengen an radioaktiven Mineralien jeder Umgang (Lagerung, Ausstellung, Bezug, Abgabe) bewillingungspflichtig ist, ist der Umgang mit den üblichen kleinen Sammlerstüfchen keinen rechtlichen Beschränkungen unterworfen. Die Schwellenwerte für die Bewilligungspflicht liegen bei einer spezifischen Aktivität, welche die 1000fache Freigrenze (LE) nach Anhang 3 Spalte 9 der Strahlenschutzverordnung (StSV) übersteigt und eine Masse von mehr als 10 g natürliches Thorium oder 100 g natürliches Uran übersteigt. Trotzdem sind auch Sammlermineralien radioaktiv und potentiell gefährlich. Daher sollten folgende Sicherheitsmassnahmen eingehalten werden:

  • Radioaktive Mineralien sollten ausserhalb der Reichweite von Kindern abgeschlossen aufbewahrt werden (z.B. in Vitrinen oder in luftdicht verschlossenen Plastikbeuteln oder -dosen) und als radioaktiv gekennzeichnet werden.
  • Eine Inkorporation (Staub oder Abrieb über Mund oder Nase) muss verhindert werden, da sie viel gesundheitsschädlicher ist als eine Bestrahlung des Körpers von aussen – daher sollten sie möglichst wenig berüht werden und nicht in Schlaf- oder Essräumen aufbewahrt werden. Nach jedem Hautkontakt sind die Hände gründlich zu waschen.
  • Ein längerer Aufenthalt in ihrer unmittelbarer Nähe sollte vermieden werden.
  • Die Entwicklung radioaktiver Gase ist weit mehr gesundheitsschädlich als die extrakorporelle Strahlung selbst – daher sollten radioaktive Mineralien in gut belüfteten Räumen aufbewahrt werden
  • Je grösser die Masse von stark radioaktiven Mineralien(sammlungen), desto strenger sind die Sicherheitsmassnahmen einzuhalten.

Kurzum: Abgeschlossen, gekennzeichnet, ausserhalb der Reichweite von Kindern in gut belüfteten Räumen aufbewahren, möglichst nicht berühren, Hände waschen – so steht dem Sammeln radioaktiver Mineralien nichts im Weg.

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